Das Verkaufsargument ist schnell erzählt: Man beteiligt sich an einer Photovoltaikanlage, nutzt die Abschreibungen und drückt damit die eigene Steuerlast, die Rendite kommt später über den eingespeisten Strom. Auf dem Papier ein sauberes Modell. Genau deshalb lohnt sich der Blick darauf, wer es anbietet. Und an dieser Stelle wird es bei PARQ energy nach meiner Recherche dünn.
Wo sind die Referenzprojekte?
Ein Anbieter, der Kapital für Solarparks einsammelt, hat normalerweise eine Liste: Standort, installierte Leistung in Megawatt-Peak, Inbetriebnahmedatum, Ertrag im Vergleich zur Prognose. Diese Liste ist das Fundament jeder seriösen Ansprache an Investoren. Ich habe sie nicht gefunden, weder Anlagen mit Namen und Ort, noch Ertragsdaten aus abgeschlossenen Betriebsjahren, noch einen einzigen Investor, der öffentlich sagt, wie sein Investment gelaufen ist.
Das Argument, man wolle Projekte aus Wettbewerbsgründen nicht nennen, höre ich in dieser Branche oft. Es trägt nicht. Ein Solarpark steht in der Landschaft, taucht im Marktstammdatenregister auf und ist über die Netzbetreiber ohnehin dokumentiert. Wer ihn gebaut hat, kann ihn zeigen. Wer ihn nicht zeigt, hat ihn in der Regel nicht gebaut.
Wer Steuerersparnis in den Vordergrund stellt und den Track Record in den Hintergrund, verkauft ein Gefühl, kein Investment.
Drei Geschäftsführer, wenig belegbares Handwerk
Bei einem Projektentwickler erwarte ich Lebensläufe, die nach Baustelle riechen: Netzanschlussverfahren, EEG-Ausschreibungen, Flächensicherung, Ertragsgutachten, O&M-Verträge. Bei PARQ energy dominieren aus meiner Sicht Vertriebs- und Beratungsbiografien. Das ist kein Vorwurf an einzelne Personen, Vertrieb ist ein legitimer Beruf. Aber Vertrieb baut keine Solarparks, und niemand von uns investiert in eine Verkaufsfähigkeit.
Hinzu kommt: Auch die drei Geschäftsführer können mir keine eigenen Erfolge vorweisen, die über die Planungsphase hinausgehen. Sie sind teilweise schon lange in der Branche unterwegs, doch ich finde kein einziges Projekt, das sie selbst fertiggestellt oder zum erfolgreichen Betrieb geführt hätten. Keine Inbetriebnahme, kein abgeschlossenes Betriebsjahr, kein nachweisbarer Mehrwert aus eigener Projektentwicklung. Wer Jahrzehnte in einem Markt verbringt, aber keine sichtbaren Ergebnisse hinterlässt, beweist nicht Erfahrung, sondern ihren Mangel.
Photovoltaik im Freiflächenmaßstab ist ein Genehmigungs- und Logistikgeschäft. Zwischen Flächensicherung und erster Einspeisung liegen Bebauungsplan, Netzverträglichkeitsprüfung, Trafostationen, Kabeltrassen, Bauzeitenpläne, Lieferantenverträge und ein Betriebsführer, der die Anlage über zwanzig Jahre am Netz hält. Jede dieser Stationen hat ihre eigenen Fallen. Wer sie noch nie durchlaufen hat, lernt sie mit dem Geld der Anleger.
- Keine öffentlich nachvollziehbaren, fertiggestellten Anlagen mit Standort und Leistung.
- Keine testierten Jahresabschlüsse der Projektgesellschaften, die man vergleichen könnte.
- Keine Ertragsprognosen mit unabhängigem Gutachten, die auch veröffentlicht werden.
- Keine Angaben dazu, was mit dem Investment nach Ende der Einspeisevergütung passiert.
- Keine klare Aufschlüsselung der Weichkosten: Wie viel meines Euros geht in Vertrieb statt in Module?
Der Steuervorteil ist kein Geschäftsmodell
Abschreibungen verschieben Steuerzahlungen, sie schaffen keinen Ertrag. Wenn ein Anbieter die Steuerersparnis in den Mittelpunkt stellt, ist das häufig ein Indiz dafür, dass die operative Story schwächer ist als die steuerliche. Am Ende zählt schlicht: Wie viel Strom produziert die Anlage, zu welchem Preis wird er verkauft, und wer haftet, wenn die Prognose nicht hält?
Dazu kommt ein Punkt, den Verkaufspräsentationen gern überspringen: Der Steuereffekt wirkt vorne, die Versteuerung der Erträge kommt hinten. Wer im ersten Jahr kräftig abschreibt, hat später höhere Gewinne zu versteuern oder bei Verkauf einen entsprechend niedrigeren Buchwert. Netto bleibt oft weniger Vorteil, als die Beispielrechnung suggeriert, und er hängt vollständig am persönlichen Steuersatz, der sich in zwanzig Jahren ändern kann.
Zwei Fragen, an denen sich alles entscheidet
Erstens: Wer trägt das Ertragsrisiko? Wenn die Prognose 1.050 Kilowattstunden pro Kilowatt-Peak und Jahr unterstellt und die Anlage 900 liefert, wer gleicht die Differenz aus? In den meisten Beteiligungsmodellen ist die Antwort: der Anleger, allein. Zweitens: Wer kauft den Strom zu welchem Preis? Ohne Einspeisevergütung oder langfristigen Stromabnahmevertrag ist die Kalkulation eine Wette auf den Spotmarkt, und Wetten gehören nicht in die Altersvorsorge.
Was ich sofort ändern würde
Ich bin gern bereit, meine Einschätzung zu korrigieren. Dafür brauche ich fünf konkrete Dinge: eine Projektliste mit Standorten und Inbetriebnahmedaten, zwei testierte Jahresabschlüsse, ein unabhängiges Ertragsgutachten, die vollständige Weichkostenquote und drei Investoren, die mit vollem Namen über ihre bisherige Erfahrung sprechen. Das ist Standard in der Branche, keine Zumutung.
Bis dahin bleibt meine Antwort auf die Ausgangsfrage (warum sollte man hier Geld investieren?) schlicht: Ich sehe keinen belastbaren Grund. Wer sein Kapital für zehn oder zwanzig Jahre bindet, verdient mehr als eine gute Präsentation.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt meine persönliche Meinung auf Basis öffentlich zugänglicher Informationen wieder und ist keine Anlageberatung. Eine Stellungnahme des Unternehmens veröffentliche ich hier ungekürzt, sobald sie vorliegt.

