Die Rechnung auf der Verkaufsfolie ist immer dieselbe: hohe Investitionssumme, Sonderabschreibung, ein spürbar niedrigerer Steuerbescheid im ersten Jahr. Was auf der Folie fehlt, ist die zweite Hälfte der Rechnung.
Steuerstundung ist kein Geschenk
Wer heute abschreibt, senkt den Buchwert der Anlage. In den Folgejahren steht dem Ertrag ein kleinerer Abschreibungsbetrag gegenüber, der zu versteuernde Gewinn steigt. Über die Laufzeit gerechnet bleibt in vielen Fällen nur ein Zinsvorteil aus der zeitlichen Verschiebung, kein echter Vermögenszuwachs.
Eine Steuerstundung ist ein zinsloser Kredit vom Finanzamt, kein Ertrag. Die Rückzahlung steht im Vertrag, nur nicht auf der Folie.
Der Steuersatz ist eine Variable, keine Konstante
Beispielrechnungen unterstellen gern einen konstant hohen Grenzsteuersatz über zwanzig Jahre. Realistisch ist er das selten: Renteneintritt, Elternzeit, Selbstständigkeit, Gesetzesänderungen. Fällt der Steuersatz in der Abschreibungsphase hoch und in der Ertragsphase niedrig aus, funktioniert das Modell. Andersherum kehrt sich der vermeintliche Vorteil um.
- Frage nach der Rechnung nach Steuern über die volle Laufzeit, nicht nur nach dem Effekt im ersten Jahr.
- Lass dir den Buchwertverlauf und den Verkaufsfall zeigen, inklusive Besteuerung des Veräußerungsgewinns.
- Prüfe, welcher Steuersatz unterstellt wird und was passiert, wenn er zehn Punkte niedriger liegt.
- Vergleiche die Nachsteuerrendite mit einer schlichten Alternative, nicht mit dem Sparbuch.
Der Test, der alles verkürzt
Streiche in der Präsentation gedanklich jede Zeile, die mit Steuern zu tun hat. Was bleibt übrig? Wenn die Anlage ohne Steuereffekt keine überzeugende Rendite liefert, ist sie kein gutes Investment, sondern ein Steuerprodukt. Genau das ist mein Hauptvorwurf an Anbieter wie PARQ energy: Ohne die Steuerzeilen bleibt zu wenig stehen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung und ersetzt weder Steuerberatung noch Anlageberatung.

